Russische Wölfe brauchen unsere Hilfe

Bericht meiner Russlandreise 2008

Anfang Juni machte ich mich wieder auf die Reise zur Auswilderungsstation für Wölfe von Vladimir Bologov. Bei meiner Ankunft spät in der Nacht erste Begegnung mit den Wolfswelpen, die ich 3 Wochen lang betreuen würde: Sie waren in einem Raum auf einem Heulager untergebracht und drei kamen sofort angerannt in der Hoffnung auf eine außerplanmäßige Mahlzeit. Der vierte Welpe guckte misstrauisch aus einer Ecke. Ungewöhnlich war, dass dieser der Größe nach etwa 5 Wochen, während die anderen ca.2 Wochen alt waren.

Shela

Philosoph

Albert

und Zhorik, der Kleinste

Bei der Abholung erfuhr V. Bologov von dem Jäger, dass drei große Welpen
außerhalb der Wurfhöhle waren. Zwei rannte weg, ein Rüde zurück in den
vermeintlich sicheren Bau. Beim Ausgraben fand er dann noch die drei
Winzlinge, 2 Jungs und ein Mädchen. Aus Zoos und Wildgehegen ist
bekannt, dass Alphawölfinnen den Nachwuchs eines rangniederen
Weibchens „beschlagnahmen“. In freier Wildbahn dagegen legt eine
jüngere Wölfin aus der Familie oft auch ihre Welpen in der gleichen
Wurfhöhle ab. Möglich ist auch, dass eine Wölfin des Rudels umgekommen
ist und die Waisen adoptiert wurden.

Wir durften ein 900 qm großes, leerstehendes Gehege des IFAW in der
Nähe der Station nutzen, welches die Welpen begeistert in Besitz nahmen.

Ein paar kleine Kiefern standen darin, hohe Gräser und andere
Wiesenpflanzen, die nach einigen Tagen allerdings recht zerrupft
aussahen. Die kleinen Wölfe verbrachten den Tag mit Schlafen, spielen und
übten auch schon das gegenseitige Anschleichen zum
Überraschungsangriff auf die „Beute“. Zwischendurch gab es die
Mahlzeiten, Esbilacmilch, Fleisch oder Fisch und sie entwickelten sich
Bestens.

Zorik und Albert

Philisoph mit der Schwester

An meinem vorletzten Tag besuchte ich mit Vladimir Bologov die Biologin Laetitia Becker in Belkowa.Seit einigen Jahren betreut sie die Wölfe in den Auswilderungsgehegen und führt die Jungwölfe täglich mehrere Stunden in den Wald. So werden sie mit der Wildnis und deren Tiere vertraut und auf ein freies Leben vorbereitet.

Vladimir mit Laetitia

und die Schutzhütte, noch nicht ganz fertiggestellt

Drei der 7 Jungwölfe vom letzten Jahr sind bereits in Freiheit, die anderen vier konnte ich nur aus einiger Entfernung beobachten, weil die Tiere panisch auf fremde Menschen reagieren. Diese Wölfe werden Anfang des Winters nach dem ersten Schneefall freigelassen, damit V.Bologov anhand ihrer Spuren verfolgen kann, wohin sie wandern und wie sie in der Freiheit zurecht kommen. Radiohalsbänder wären sehr hilfsreich, besser noch GPS,aber das ist eine leider eine Kostenfrage bei einem Preis von je 2000,-€.

Bis dahin sind diese vier Wölfe nun die Ersatzfamilie für „meine“ Welpen, die nach meiner Abreise nach Belkova umgezogen sind. Die Eingliederung war problemlos. Die großen Wölfe waren begeistert, Welpen betreuen zu können und die Welpen lernen von ihnen richtiges Wolfsverhalten.

 

Inzwischen regt sich auch das Interesse der russischen Medien für das Wolfsprojekt. Verschiedenen großen Zeitungen, wie die "Moskow Times" brachte Berichte und der Fernsehsender "Russia Today" hatte Videokameras an den einzelnen Gehegen anbringen lassen, man kann die Aktivitäten der Wölfe in den Gehegen live beobachten. 

Leider hat die Livecam vorübergehend den Betrieb eingestellt! 

nun bei den Großen...

Die Zahl der Wölfe, die zu füttern sind ist nun auf 16 angestiegen. Prof.Andrej Pojarkov von der Uni Moskau hat die Gelder für seine 8 Wölfe in Puplovo gestrichen bekommen. V.Bologov hat sich bereiterklärt, auch diese Wölfe bis zur Freilassung im Winter durchzufüttern.

Eine großartige Neuigkeit:
Vladimir kann nun endlich schon mal zwei seiner acht erwachsenen Wölfe, die im Winter freigelassen werden per Telemetrie überwachen.

Der deutsche Wolfs- und Verhaltensforscher Günther Bloch hat einen Receiver plus Handantenne und die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe zwei Radiohalsbänder mit dem restlichen Zubehör gespendet!

Die Halsbänder haben eine Sendedauer von etwa 4 Jahren.Sie sind super leicht, eins gelb, eins rot, also gut zu erkennen, um den Wolf zu identifizieren, der die Dörfer besucht. Für russische Dorfbewohner ist das allerdings keine bedrohliche Situation, man lebt dort seit allen Zeiten mit den Wölfen und findet oft morgens ihre Spuren auf den Wegen.

Ende Dez. fliege ich für ein paar Tage nach Russland um die Anlage hinzubringen und werde darüber an dieser Stelle berichten.
Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass jede, noch so kleine Unterstützung hilfreich ist.




Vladimir Bologov bedankt sich an dieser Stelle bei den Spendern, die er per mail nicht erreichen konnte! Bei meinem Besuch hat mir Vladimir Bologov wieder DVDs mit Videos seiner Wölfe gegeben, die Ich Ihnen gerne gegen eine Spende zusende!

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