Russische Wölfe brauchen unsere Hilfe

Bericht meiner Russlandreise 2004

 
Vladimir Bologov dankt allen Spendern und hat sich sehr gefreut, dass seine Arbeit auch in Deutschland Beachtung und Unterstützung findet!

 

Zunächst hat V.Bologov uns auf dem Moskauer Flughafen getroffen, um mit uns weiter nach Ufa zu fliegen. Während unseres Aufenthaltes in Baschkiria waren wir bei den Eltern eines russischen Freundes von V. Bologov untergebracht, einem ehemaligen, fanatischen Wolfsjäger, der sich nun für ihren Erhalt einsetzt weil er erkannt hat, was für faszinierende, schützenswerte Tiere die Wölfe sind. Die Gastfreundschaft dieser, V. Bologovs und allen anderen russischen Familien die wir kennen lernen durften war überwältigend.

Im Südural ist ebenfalls eine kleine Auffangstation für freigekaufte Wolfswelpen. Dort gibt es außer drei Dörfern im Umkreis von hunderten von Kilometern nur noch Wildnis pur, riesige Wälder, keinen Ackerbau und nur bewachte kleine Viehherden, die abends vom Schäfer ins Dorf
zurückgetrieben werden. Das ideale Gebiet um die Wölfe wieder auszuwildern.

Vladimir mit Ildus im Wolfsland

Tief im Wald und nur zu Fuß erreichbar lag das Gehege der Welpen, das Tag und Nacht bewachtwird. Arbeiter waren gerade dabei um das Welpengehege ein Größeres zu bauen, denn
3 Mon. alte Wölfchen haben eine Menge Bewegungsdrang. Keine leichte Arbeit, das Gelände
besteht aus Mischwald mit uralten, riesigen Bäumen, Felsen und einem Bachlauf. Bärensicher muss es auch sein, denn die streifen dort in großer Zahl umher.
Ein ebenfalls bekehrter Wolfsjäger und nun V. Bologovs Freund leitet die Station, überwacht die Arbeiten am Gehege und betreut die fünf Welpen, die von seiner Frau in den ersten Wochen
 mit der Milchflasche versorgt wurden.

Welpen

Das gemütliche Holzhaus seiner Familie war nach unseren täglichen Excursionen auf der Spur der Wölfe immer Treffpunkt zum Tee. Wir erwarteten also Tee, ein Irrtum, es gab jedes mal ein opulentes Essen,mit gefüllten Teigtaschen, Suppe, Huhn oder Entenfleisch, Walderdbeeren
in Mengen, Gurken , Tomaten, Käse, eben alles was Haus und Hof hergaben.

Nach einigen Tagen flogen wir zurück nach Moskau um mit dem Auto zu V. Bologovs Station Bubonice im Gebiet Tver zu gelangen. Die Region ist sehr arm, die Dörfer fast menschenleer und viele der einstmals hübschen Holzhäuser verfallen. Es leben dort nur noch ein paar alte Leute, die jungen sind in die Städte abgewandert, um Arbeit zu finden.
Auf seiner Station bekamen wir einen ausführlichen Einblick in sein Projekt. Er hatte allerdings hier in diesem Jahr keine Welpen, wohl zurückzuführen auf die abnehmende Wolfspopulation.

In der Gegend leben nur noch zwei Rudel und Alf mit drei jungen Wölfinnen. Alf ,Maus, Maska und Alpina waren die ersten Welpen die V.Bologov 2000 selbst aufgezogen hat und dann außer Alpina wieder freigelassen hat. Maska wurde bei Rangkämpfen von Wölfen getötet.
Auch Alpina in diesem Frühjahr, was besonders tragisch war, weil sie in dem Auswilderungsgehege lebte und die drei Jungwölfe vom letzten Jahr betreute.
Während der Paarungszeit drangen Wölfe in das Gehege ein, den Kleinen passierte nichts.

Alpina war die Ziehmutter aller Welpen, denn V. Bologov meidet jeglichen Kontakt zu ihnen, sobald sie keine Milch mehr benötigen. Sie gewinnen dann schnell ihre angeborene Scheu vor Menschen zurück,( was übrigens auch der Fall ist, wenn wieder freigelassene Wölfe in ein fremdes Gebiet gebracht werden, wie V. Bologov beobachten konnte). Er legt das Fleisch nur ins Gehege und verschwindet, sodass er die Jungwölfe selten zu Gesicht bekommt. Kein Wunder, denn in den
Gehegen ist richtiger Urwald, es gibt dichtes Unterholz, jede Menge Verstecke unter umgefallenen, bemoosten Baumriesen und einen Wasserlauf.

Im Gehege

Er hat zwei Gehege ( Kosten 5000,- Dollar) von 2.5 ha mit einem 3 Meter hohem Zaun.

Wir haben auch seine Wolfsinsel besichtigt, die er für 50 Jahre, ebenso wie die Gehegegrundstücke "gepachtet" hat. Die Jungwölfe leben auf der Insel bis zur Auswilderung ungestört, aber mit Fleisch versorgt. Es gibt einen Hochsitz auf der Insel, von dem aus die Ökovolontäre den Wolfsalltag beobachten können.

See mit Wolfsinsel
 
V. Bologov hat allerdings einen zögerlichen Wolfstourismus der einheimischen Bevölkerung bemerkt. An Wochenenden kommen russische Familien an den See und warten geduldig, bis mal ein Wölfchen ans Inselufer kommt um zu trinken. Die Einstellung gegenüber dem Wolf beginnt sich zu wandeln, vom Bösen zum Faszinierenden.



Im Herbst werden die Halbwüchsigen von der Insel in das große Auswilderungsgehege gebracht und anfänglich noch gefüttert, das Gehege wird geöffnet und sie sind frei. Das Jagen auf Kleintiere wie Kaninchen, Mäuse usw. haben sie längst gelernt, was jedem Wolf sowieso angeboren ist.
Sie schließen sich zu kleinen Verbänden zusammen und können so auch größere Beute jagen oder werden von anderen Rudeln aufgenommen, was in dem Alter noch problemlos möglich ist. Wir entdeckten auch jetzt im Sommer Spuren und Markierungen von Wölfen rund um die Gehege.
Sie scheinen immer noch ein Treffpunkt zu sein für wilde Wölfe , die aus Neugierde kommen und denen, die dort aufgewachsen sind und nur mal vorbeischauen wollen.

Ein Informationscenter für die russische Bevölkerung und Touristen ist im Rohbau fertig.

Infocenter

Ein Informationscenter für die russische Bevölkerung und Touristen ist im Rohbau fertig.
Im Moment ruht leider die Arbeit, denn das Geld ist alle. Geplant sind darin umfassende Informationen über die heimische Tierwelt und eine Auffangstation für verletzte Wölfe und andere Wildtiere, die nicht mehr in die Wildnis entlassen werden können.
Außerdem besteht dort nun auch ein beachtliches Reservat in dem die Jagd verboten ist und 
die Regierung hat grünes Licht gegeben,es zu erweitern. Es war eine ganz besondere
Reise um näher in das Leben der russischen Wölfe einzudringen. Tagsüber sahen wir ihre Spuren, und bei unseren abendlichen Touren durch die Wälder und Wiesen ohne Weg und Steg (per GPS) hörten wir ihren "Gesang".

Wolfsspur

V.Bologov hat in der Nähe seiner Auswilderungsgehege drei Holzhäuser in einem fast verlassenen Dorf (nur noch ein Einwohner) gekauft. Diese urigen und gemütlichen, aber einfachen Häuser, drum herum nur Wildnis pur, dienen als Unterkünfte für Touristen.

"Das verlassene Dorf"

Man kann natürlich auch in Zelten übernachten und so der Spur der einzelnen Rudel folgen. Ihren Standort, den sie meist ein bis zwei Tage beibehalten ermittelt V. Bologov durch ihre Antwort auf sein Heulen.

V. Bologovs Ranger, als ehemaliger Wolfsjäger der beste Spurenleser und unsere Rucksäcke trug er auch!

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