Russische Wölfe brauchen unsere Hilfe

Bericht meiner Russlandreise 2014

Bei meiner Ankunft in Moskau war ich froh, dass Vladimir Bologov mich abholte. Die Strecke vom Flughafen zum Bahnhof quer durch diese riesige Stadt mit der Metro ist schon sehr verwirrend wenn man sich nicht so gut auskennt. Vladimir sollte eigentlich die Wolfswelpen aus einem Zoo in der Nähe von Moskau abholen, doch man teilte ihm mit, alle Kleinen seien gestorben. So erwartete mich nur ein kleines Wolfsmädchen in Bubonice auf der Station.






Ein Jäger hatte mal wieder einen Wolfsbau ausgegraben. Drei Welpen konnten wegrennen, den Kleinsten hat er erwischt. Es ist unglaublich, dieser Mann hatte vor,den ganzen Wurf an einen Jagdhundzüchter zu verkaufen. Dort werden die Hunde auf die Wolfswelpen gehetzt um zu lernen, dass man als brauchbarer Jagdhund alles was nach Wolf riecht zu töten. Vladimir konnte den Jäger überreden, ihm diesen einzelnen Welpen zu überlassen.
An diesen Tagen regnete es stundenlang bei 9 - 11°. Es wäre unmenschlich gewesen dieses etwa 4 1/2 Wochen alte Tierchen alleine in eines der großen Gehege zu setzen, es wäre an Einsamkeit, Kälte und Nässe eingegangen. Vladimir beschloss die Kleine, ich gab ihr den Namen Paulina, zahm aufzuziehen.






Das heisst, sie wird ein Gehegewolf bleiben müssen, sie wird sich in den nächsten Jahren um die Welpen kümmern, die die Station aufnimmt.
Paulina nahm sofort das ganze Wohnhaus Bologovs in Beschlag, nach Welpenart taugte einfach alles zum Spielen. Sie stahl Handtücher, Socken, unbewachte Schuhe und durchwühlte Papierkörbe nach "brauchbaren Objekten". Mit Vorliebe kletterte sie in Betten wenn die Türen offenstanden und trieb auch sonst allerhand Unfug. Stubenrein war sie allerdings nicht, es hieß aufpassen und Paulina nach jedem Schläfchen hinauszubringen. Als das Wetter besser wurde konnte sie sich den ganzen Tag unter Aufsicht in dem 900 qm großen, leerstehenden Gehege des IFAW in Hausnähe austoben.






Vorsorglich habe ich Paulina entwurmt. Sie war gesund und hatte den sprichwörtlichen Wolfshunger bei ihren Mahlzeiten. Sie verschmähte als Zwischenimbiss auch nicht die reifen, süßen Walderdbeeren und "erlegte" einen rollenden Apfel um ihn anschließend zu fressen.






Nach einer Woche kamen ein junger Franzose und ein junger Russe als Volontäre, die mich bei der Beaufsichtigung der quirligen, kleinen Wölfin bestens unterstützt haben.
Der Abschied von Paulina fiel mir schwer, ich werde sie im nächsten Jahr besuchen!



Paulina ist nicht mehr allein! Auf der Station wurde ein gleichaltriger, lästig gewordener Wolfsrüde aus Wohnungshaltung abgegeben.
Ich bin froh, dass Paulina nicht ohne "wölfische" Gesellschaft aufwachsen muss. Auch der kleine Rüde hat es gut getroffen, die beiden sind ein hübsches Paar.



Paulina ist begeistert von ihrem neuen Spielkameraden Dobrine.





Dobrine



Paulina und Dobrine beim täglichen Spaziergang außerhalb des Geheges



Beute, aber noch nicht selbst erlegt

Inzwischen sind die beiden Jungwölfe in das große Gehege am Moor umgezogen. Dort haben sie viel Platz zum spielen, können den Fröschen und Mäusen auflauern und sich in der alten Dachshöhle verstecken, wenn die Mücken sie zu sehr plagen.


 


Auch jetzt noch dürfen die beiden mit Vladimirs Sohn Nikita täglich für 2 Stunden die Umgebung ihres Geheges erkunden. Danach gehen sie müde getobt bereitwillig zurück in ihr Domizil, denn es erwartet sie die Abendmahlzeit.





Groß und schön sind sie geworden





Paulina, immer gut gelaunt



Dobrine, etwas schüchtern



der erste Schnee in ihrem Leben,



herrlich, in dem merkwürdigen, weissen Zeug herumzutoben!

Vladimir Bologov ist seit 2 Jahren in dem Nationalpark "Vodlozersky" in Karelien als Ranger angestellt und kommt nur alle 2-3 Wochen nach Hause. Seine Frau Natascha und sein Sohn Nikita betreuen die beiden Jungwölfe.
Es ist geplant, dass Paulina und Dobrine die Rolle der Zieheltern der nächsten Welpen im Frühsommer übernehmen.

Leider hat sich Paulina zu einer total dominanten Xantippe entwickelt, sie mußte ins Gehege nach Belkowa umziehen. Sie riss Dobrine jegliches Futter weg,drangsalierte ihn ständig und fügte ihm große Bisswunden zu. Es ist ein ungewöhnliches Verhalten für ein einjährige Wölfin. Paulina wird nun ohne menschlichen Kontakt mit Fleisch versorgt um sie verwildern zu lassen. Vladimir wird sie 100 km entfernt in ein dünn besiedeltes Gebiet bringen und freilassen.



Wenn Vladimir Welpen angeboten bekommt, werden sie Dobrine Gesellschaft leisten. Er ist ein ruhiger, freundlicher Wolf, hoffen wir, dass er es dei Kleinen gegenüber auch ist.

 Aus persönlichen Gründen kann ich leider nicht mehr nach Russland zur Wolfsstation reisen, ich werde aber weiterhin über das Projekt berichten.

Vladimir hat Paulina in den Nationalpark Vodlozersky umgesiedelt, sie ist frei! Ab und zu streift sie in der Nähe seiner Hütte umher, sucht aber keinen Kontakt. Wenn sie den 4280 qkm Park nicht verläßt ist sie sicher (Jagdverbot) und kann mit einem hübschen Rüden eine Familie gründen.



Viel Glück Paulina!




Reisebericht 2013